Über einen klassischen Morgen in Pelmang: Es ist circa
sieben Uhr nepalesischer Zeit. Im Schlafsack hat sich nach dem ewigen
Herumwälzen am Abend dann doch die optimale Schlafposition gefunden, die nun
bald zu verlassen gedacht werden muss. Durch das kleine Fenster fällt ein wenig
Licht in das Vierbettzimmer. Vor dem Flachbau sind schon unsere unermüdlich
freundlichen Gastgeber zu hören, die bereits mit den Vorbereitungen für die
morgendliche Tea-Time und das Frühstück begonnen haben. Nun wird es mit jeder
Minute lauter, denn sobald die ersten Kinder draußen geräuschintensiv ihre
neuen Murmeln rollen, ist mindestens eine weitere Person von uns, die im Flachbau mit
Gemeinschaftsraum übernachten, ebenfalls erwacht. Ist dieser Fall eingetreten,
lassen die morgendlichen Wühlereien in den Seesäcken nicht mehr lange auf sich
warten. Da in diesem zukünftigen Office sowohl unsere drei Schlafräume, als auch
der große Gemeinschaftsraum zum Dach hin miteinander in Verbindung stehen und
entsprechend unter dem Dach nicht geschlossen sind, teilen wir uns sozusagen
alle ein großes Zimmer mit noch größerer Geräuschkulisse. Auch in der zweiten
Schlafstelle, dem Haus von Machhindras Bruder Nandras, geht es so ähnlich zu
und schon gegen sechs Uhr werden draußen fleißig Steine für die künftige
Krankenstation geschliffen. Schlagartig sind so alle aufgewacht und nach kurzem
Genuss des letzten gemütlichen Augenblicks wird auch schon die Zimmertür
aufgestoßen und das helle Licht der
warmen Morgensonne fällt erbarmungslos ein. Ein weiterer sonniger Morgen wartet
auf uns.

Am elften Tag unserer Reise erwarten uns endlich der
nepalesische Bergfluss und eine zweite Willkommensfeier in der Primary-School.
Am Morgen gibt es erst einige Streitigkeiten über das
deutsch-nepalesische Zeitgefühl, das ist aber schnell vergessen, als wir
endlich zur ersehnten Waschgelegenheit am Fluss aufbrechen. Das Vorfrühstück
stellen dabei Tee und dazu ein paar Kekse dar. Gegen halb neun spazieren dann
neunzehn fünf Tage lang ungewaschene Deutsche durch Pelmang und besuchen auf
dem Weg zum Fluss zwei Patenfamilien. Die Waschstelle lässt sich als reißender,
eiskalter Bergfluss mit vielen Steinen beschreiben, der mit plötzlichen
Untiefen überrascht. Nichtsdestotrotz findet jemand, der sich lange auf eine
Möglichkeit zum Waschen gefreut hat, hier eine geeignete Stelle.
Etwa eine Stunde später kehrt die Gruppe mit frisch
gewaschenen Haaren, gutem Geruch und großem Hunger wieder zurück. Das
eigentliche Frühstück wird dann um halb elf eingenommen. Es besteht zu unserer
großen Überraschung aus Pommes mit Chili-Dip und Salz. Nachdem wir mit deutscher Kost (in nepalesischem Stil)
gesättigt sind, beginnt die Arbeit. Die Fenster- und Türrahmen des im Bau
begriffenen health post (Krankenstation) müssen gestrichen werden. Das heißt
für uns harte Arbeit im prallen Sonnenschein und wir sind froh, dass wir nicht
mit den fleißigen Steinmetzen tauschen müssen. Bis Ende Dezember soll die
kleine Krankenstation fertig sein, und uns wird klar, dass bei so viel
Handarbeit wohl wieder nepalesische Zeiteinheiten gelten werden. Außerdem
freuen wir uns, dass wir ein wenig der bislang immerhin schon zu 2/3
abgesicherten Finanzierung durch unsere Arbeit abnehmen konnten. Andere
Arbeitsgruppen bringen eine Anschrift an das Office an (das Gerüst ist auch
hier „Nepali Style“), weiterhin
verzieren unsere Künstler die Wand des selbigen mit drei Mandalas herrlichen Mandalas. Außerdem gibt
es noch weitere Patenkinder zu besuchen.
Parallel werden schon die ersten Kleidungstücke ausgegeben
und anprobiert, bis es dann um vierzehn Uhr endlich wieder Dal Bhat zum Mittagessen
gibt.
Nach der Verköstigung geht es direkt in die Primary School,
wo wir freundlich von den Dorfbewohnern empfangen und auf unsere Sitzplätze,
frontal zu den Nepalesen, geleitet werden. Nach Gruß- und Dankesworten werden
uns Geschenke überreicht. Darunter befinden sich zum Beispiel zahlreiche
Gebets-und Schutztücher (Mala), mehrere Bambusflechtereien, ein Messer und ein
Hut. Sobald dem Protokoll Genüge
getan ist, beginnt das eigentliche Programm. Angefangen mit der Primary-School
werden uns einstudierte Tanzeinlagen dargeboten und am Ende tanzen sogar wir zu
einem Lied der Secondary School mit. Um wetterbedingt nicht kaltzulaufen,
veranstalten die Kinder zwischendurch auch einen Wettkampf im Sackhüpfen.
Der Nachmittag geht durch den Andrang auf die Kleiderausgabe
hektisch in den Abend über, die erst mit dem Abendbrot um viertel zehn endet.
Kleiderausgeben ist dabei keinesfalls so einfach wie es vielleicht für den
Laien vorerst klingen mag. Die in Deutschland fleißig gesammelten
Kleiderspenden liegen sorgfältig sortiert auf einer Plane am Boden des Office
und durch die Tür drängen mal größere, mal kleinere Gruppen Dorfbewohner. Für
Männer, Jungen und Mädchen ist immer schnell etwas Passendes gefunden, aber die
nepalesischen Frauen zeigen sich schon eher wählerisch. Kritisch werden die
verschiedenen Dresses, Shirts und Skirts betrachtet und oft mehrfach
umgetauscht, aber letztendlich verlassen alle den Raum mit fröhlicher Miene und
einigen neuen Teilen.
Zu Essen gibt es dieses Mal das traditionelle
Pelmang-Gericht „Diro“, welches aus
Schwarzhirse und Pickle besteht und zusammen mit Kartoffelcurry gereicht wird.
Auch wenn dieses extraordinäre Nahrungsmittel eigentlich mit der rechten
„reinen“ Hand gegessen wird, trauen wir uns nur mit Besteck und kritischem
Blick.
Unseren letzten Abend in Pelmang verbringen wir damit
nepalesische Lieder zu singen, zu tanzen und dem Versuch die bevorstehende
siebenstündige Wanderung zu verdrängen. Fast panisch werden nebenbei die
letzten See- und Rucksäcke bereit gemacht. Später sinken wir durch das
ausgelassene Feiern in einen angenehmen Schlaf.
Zitate des Tages:
„Die Kinder bewegen sich ja.“ Josephine beim Traubenzucker verteilen
„Das Patenkind liegt auf dem Weg.“ Frau Götz über Wohnort der Patenfamilie
„Ich kann sowieso keine Nasen malen.“ anonym
zur Götzschen Aufforderung beim Streichen des Gebäudes Nasen zu vermeiden
Dal Bhat Counter: X
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